Archäologische Sensation. Spuren erster Bauern auf ENERTRAG-Baustelle.

02.10.2019

Das Areal, auf dem das neue Bürogebäude des Energieunternehmens ENERTRAG im uckermärkischen Dauerthal entstehen wird, liegt auf einem bislang unbekannten archäologischen Fundplatz. "Im Zuge der Arbeiten für die neue Mensa gab es bereits Anfang 2018 einen interessanten Befund. Unter anderem mit einer einzigen Scherbe, die auf eine archäologisch interessante Zeit der Besiedlung der Uckermark hinwies", sagt Archäologe Holger Schmitt.

Ausgrabungsstätte auf der ENERTRAG-Baustelle

Für die Firma Martin Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH führt er auf dem Baugrundstück von ENERTRAG jetzt auch die jüngsten Untersuchungen durch. Unter einem gewissen Zeitdruck. "Denn eigentlich wollten die Baufirmen hier längst zugange sein", sagt er mit Verständnis für deren Zeitplan. Zwei Wochen legten Schmitt und seine Kollegen auf einer rund 30 Quadratmeter großen Fläche Schicht um Schicht der Erde frei, bargen Scherben, Knochen, Überreste alter Werkzeuge. "Ausgangspunkt war ein großer schwarzer Flecken Erde. Der sagte uns, dass es hier Eingrabungen aus älterer Zeit gibt."

Ziemlich schnell war klar, dass es sich um Spuren einer Besiedlung von vor rund 7.000 Jahren handelt. "Das schließen wir aus den Überresten von mit eingeritzten Bändern verzierten Gefäßen." Nach dieser sehr speziellen Keramik wurde diese Epoche Bandkeramik benannt.

Was für den Laien relativ unspektakulär wirken mag, ist für Holger Schmitt wie auch Dr. Matthias Schulz, dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Uckermark, eine Sensation. "Es gibt aus der besagten Zeit 5.000 vor Christus relativ wenige ausgegrabene Fundstellen, die von einer längeren Zeit der Besiedlung sprechen", so Schulz.

Ein paar Tage lang vermuteten die Archäologen, dass sie auf ein Wohngebäude gestoßen sind. Nach zwei Wochen Arbeit glaubt Schmitt jedoch ziemlich sicher, dass es sich um ein teils überdachtes Areal mit Zerlege-Gruben, einer Art Schlachthof, handelte. "Wir haben auffällig viele Unterkieferknochen von Auerochsen, dem sogenannten Ur, oder domestizierten Rindern gefunden."

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Fund mehrerer, so genannter Mahltröge und Reibsteine, welche auf die Herstellung von Mehl aus zuvor angebautem Getreide hinweisen, was für eine gewisse Sesshaftigkeit sprechen würde.

Neben den gefundenen Knochen und Steingeräten faszinieren die Fachleute vor allem die Überbleibsel an schön verzierten Tonscherben. "Das ist Keramik der allerbesten Qualität. Sie ist dünnwandig, hart gebrannt und oft schön verziert. Eine solche Qualität wird erst 5000 Jahre später wieder erreicht! Die ersten Bauern kamen aus dem Orient. Das war damals sowohl eine Zeit der Völkerwanderung, als auch des Technologietransfers." Es ist umstritten, ob gerade hier, in Nord- und Nordostdeutschland, auch wirklich Menschen aus dem Orient ankommen. Der Fund in Dauerthal könnte auf jeden Fall Lücken schließen.

Die archäologischen Untersuchungen muss, so ist es gesetzlich festgeschrieben, der Bauherr bezahlen. Schnell landet man da bei größeren Beträgen. Die Zusammenarbeit mit ENERTRAG, so Dr. Martin Schulz, sei in den zurückliegenden fast 20 Jahren durchweg kooperativ gewesen. "Wir und die Archäologen befinden uns dabei nicht in einer permanenten Rechtfertigung. Das macht die Arbeit angenehm." Zudem erlebe er von Seiten des Unternehmens ein großes Interesse an den Untersuchungen und deren Ergebnissen. Denn nachdem Holger Schmitt und seine Leute die Fundstelle verlassen haben, folgt nun die Auswertung. Am Ende entsteht eine Dokumentation, deren ausführliche Ausgabe an das Landesdenkmalamt geht.

Kontakt: ENERTRAG AG • Dr. Nadine Haase • Abteilungsleiterin Kommunikation und Marketing • Tel.: +49 39854 6459368nadine.haase@enertrag.com